Konsequent für einen unabhängigen Kanton Basel - Landschaft

Fusion Basel - Stadt / Basel - Landschaft

  

In der Baselbieter Kantonsverfassung wird in § 1 Abs. 3 KV zur Stellung des Kantons Basel-Landschaft unmissverständlich festgehalten:

Seine Behörden wirken darauf hin, dass er zu einem Vollkanton mit einer ganzen Standesstimme und mit zwei Mitgliedern des Ständerates wird.“

In §1 Abs. 3 unserer Kantonsverfassung haben wir einen ganz klaren Auftrag an die Behörden und somit auch an den Regierungsrat, was die Zukunft unseres Kantons betrifft und an diesen Auftrag werde sich unser Regierungstratskandidat auch halten.

Es ist doch bereits ein Widerspruch in sich, wenn man sich einerseits wahltaktisch als Interessenwahrer für Baselland aufspielt und andererseits einen Verfassungsauftrag missachtet, der die Aufwertung des Kantons zum Vollkanton vorsieht.

Ein Blick auf durchgeführte Fusionen

Wenn bei einer Fusion nicht auf der Kostenseite oder auf der Ertragsseite profitiert werden kann, so macht eine solche Riesenübung schlicht kein Sinn. Hier unterscheidet sich der Kanton nicht von einem Privatunternehmen.

Fusionen führten leider häufig zum gleichen Ergebnis: Will man mit einer Fusion Kosten einsparen, so stehen regelmässig zwei Kostenfaktoren im Fokus: Die Arbeitsplätze und die Arbeitsplatzstandorte.

Entsprechend besteht bei einer Fusion die Gefahr einer massiven Vernichtung von Arbeitsplätzen und Vernichtung von Arbeitsplatzstandorten mit massiver Schädigung der lokalen Zulieferer.

Im Extremfall kommt es schliesslich zu einem Debakel, wie dies an sich professionelle Unternehmen der Privatwirtschaft wie Crysler und Daimler bereits vorgeführt haben.

Zu Beginn der Fusionsuebung sind auch immer alle reichlich naiv davon überzeugt, es würde jeweils nur das andere Kästchen im Organigramm treffen, ein fataler Irrglaube, der sich in gleicher Weise hält wie die Behauptung, es würde tatsächlich eine Produktivitätssteigerung resultieren.

Wenn Mitarbeiter bereits völlig überlastet arbeiten, kann man bei ihnen mit zusätzlichen, neuen Aufgaben durch eine Fusion keine Produktivitätssteigerung erreichen.

Wer mit der Kantonsfusion trotzdem sympathisiert, der muss sich namentlich als Verwaltungsangestellter oder dessen Angehöriger in Basel oder dem Baselbiet vor Augen führen, was dies für ihn und seine Familie im Endergebnis bedeuten könnte.

Die Fusionsbestrebungen sind ein Angriff auf das bewährte föderalistische Prinzip, eine klare Missachtung eines konkreten Verfassungsauftrags und ein Angriff auf unsere eigene Identität als Baselbieter.

Zeitgemässe urschweizer Kantone

Ich bin übrigens gespannt auf die Reaktion eines Urners, Schwyzers, eines Ob- oder Nidwaldners, wenn ich ihm unanständig unterstellen würde, sein Kanton sei nicht mehr zeitgemäss. Wahrscheinlich würde er mir milde lächelnd antworten, wir haben uns 1291 verbündet, aber bewusst auf eine Fusion verzichtet, es hat sich bis heute bewährt, so bewährt, dass sogar andere fremde Fötzel auch noch haben mitmachen wollen. Es ist ein föderatives Erfolgsmodell daraus geworden.

Zeitgemässer neuer Kanton

Selbstverständlich dürften sie auch einem Bewohner im Kanton Jura vorschlagen, mit dem Kanton Bern zu fusionieren, weil sein Kanton nicht mehr zeitgemäss sei. Da würde ich aber empfehlen, dies bestenfalls telefonisch zu machen und mit unterdrückter Telefonnummer.

Die Linken verstehen sich bekanntlich als selbst ernannte Hüter der Arbeitnehmerinteressen, da befremdet es ja schon, wenn ausgerechnet ein Linker eine Uebung befürwortet, in welcher Arbeitsplätze massiv gefährdet werden.

Die wahren Gründe für die linken Fusionswünsche

Die wahren Gründe für die linken Fusionswünsche liegen doch auf der Hand. Die Linken des Baselbiets versprechen sich von einer Fusion mit der bevölkerungsreichen linken Mehrheit im Kanton Basel-Stadt eine genügend grosse linke Mehrheit, welche es ihnen künftig erlauben würde, das relativ schwach besiedelte bürgerliche Oberbaselbiet zusammen mit den Linken des Unterbaselbiets definitiv immer überstimmen zu können.

Diese linke Idee ist durchaus raffiniert und durchtrieben, aber dann soll man auch dazu stehen, wenn man erstens gezielt daran arbeitet, die Minderheit des bürgerlichen Oberbaselbiets definitiv wieder ins Abseits zu manövrieren und wahltaktisch geradezu frech trotzdem noch eine neue Klarheit einfordert.

Besonders verwerflich ist zweitens auch der Umstand, dass ausgerechnet eine poltische Richtung, welche sich als selbst definierte Hüterin der Interessen des kleinen Mannes und der kleinen Frau versteht, gut getarnt das Fundament für eine grössere Arbeitsplatzvernichtung in zwei Kantonen legen will.

Gute Gründe gegen eine Fusion

Aus Sicht der Gründer des Komitees gegen die Wiedervereinigung spricht alles gegen eine Fusion der beiden Kantone. Eine Fusion macht weder staatspolitisch Sinn, noch bringt sie auf der Verwaltungsebene Einsparungen, noch entspricht sie der kulturellen Entwicklungen und den Eigenheiten der Bevölkerung des Kantons Basel-Landschaft.

Grundlage und Teil des Erfolgsmodells "Schweiz" bildet der basisdemokratische und förderalistische Aufbau. Damit wird den unterschiedlichen Mentalitäten, Kulturen und Sprachen ideal Rechnung getragen und dies wiederum ermöglicht ein weitgehend konfliktfreies Miteinander. Dass dieses Modell zum Teil noch verfeinert werden kann, hat die Gründung des Kantons Jura gezeigt. Die Fusionsturbos gehen davon aus, dass ein grösseres Gebilde effizienter und besser ist. Dieser Irrglaube hat in der ehemaligen UDSSR und im ehemaligen Jugoslavien nach jahrzentelanger Diktatur zu sehr schmerzhaften Trennungswirren geführt. Die Menschheit ist auf dem Weg von der Gemeinschaft zu Gesellschaft immer noch auf der Suche nach der optimalen Gesellschaftsform. Um das basisdemokratische Schweizermodell beneiden uns die meisten Menschen. Nicht zuletzt deshalb sind viele humanitäre und internationale Organisationen bei uns niedergelassen. Daraus entsteht für die Schweiz aber auch eine moralische Pflicht dieses einmalige und erfolgreiche Modell weiterzuentwickeln.

Die beiden Kantone könnten unterschiedlicher nicht sein. Basel-Stadt hat ca. 180‘000 Einwohner und 22'000 Staatsangestellte. Das Land hat ca. 270‘000 Einwohner und funktioniert mit nur 12‘000 Staats- und Gemeindeangestellten. Basel-Stadt hat ca. 3,5 Mia. Schulden, Baselland 0,9 Mia. Das Budget der Stadt ist 4,7 Mia. schwer, unser Kanton kommt mit 2,7Mia. klar. Und die Steuereinnahmen sind in der Stadt pro Kopf doppelt so hoch wie in der Landschaft. Auch wenn die aktuelle Diskussion um die Finanzlage des Kantons Baselland den Eindruck erweckt, es stünde um diesen schlecht; die Fakten sprechen im Vergleich zu Basel-Stadt dagegen.

Eine Fusion führt nicht zu weniger Aufgaben und weniger Staatsangestellten, denn sie nivelliert den Bürokratiestandard auf städtisches Niveau, damit auch die Löhne, was bedeutet, dass die Kosten dramatisch steigen. Die aktuelle Überprüfung der Verwaltungsorganisation in der Stadt belegt dies: Dank Besitzstandgarantie werden die ohnehin schon hohen Ausgaben für das Verwaltungspersonal in der Summe ansteigen. Das Budget der Stadt ist im Moment nur tragbar, weil wir historisch tiefe Zinsen für die Schulden haben und Basel-Stadt über gesunde Firmen, die entsprechend Steuern zahlen, verfügt. Sollte sich die Zinssituation in wenigen Jahren ändern, wäre es die Landschaft, welche die Schuldzinsen nach einer Fusion bezahlt. Es ist vor allem auch ein Irrtum zu Glauben, dass eine Fusion ev. Probleme der Landschaft löst, im Gegenteil, sie werden nur grösser. Das sollte eigentlich auch die Regierung wissen. Der parlamentarische Auftrag zur Simulation einer Fusion widerspricht dem Verfassungsauftrag in § 1, Absatz 3: „Seine Behörden wirken darauf hin, dass er zu einem Vollkanton mit einer ganzen Standesstimme und mit zwei Mitgliedern des Ständerates wird.“ Das heisst, die Regierung dürfte erst nach einer Volksbefragung (Verfassungsänderung) Handlungen und Gespräche zum Thema Fusion machen.

Auch bei der Kultur zeigen sich Gegensätze: Während die städtische Kultur eine Besuchs- und Konsumkultur ist, wird "Kultur und Brauchtum" auf dem Lande von den Vereinen selber gemacht . Das zeigt sich dann in den Kulturausgaben: Die Stadt muss 140Mio. für die Kulturbedürfnisse aufwenden, auf dem Land sind es noch 15Mio. Das Argument, dass die Baselländer die Kultur mehrheitlich in der Stadt konsumieren ist durch Zahlen ausreichend widerlegt. Zudem bezahlt Baselland ausreichend Beiträge an die Zentrumsfunktionen ohne dass der Zentrumsnutzen verrechnet wird. Die dezentralen Strukturen unseres Kantons BL haben die Eigenverantwortung und die Freiwilligenarbeit für die Gesellschaft gestärkt. Deshalb brauchen wir z.B. keine Berufsfeuerwehr.

Die Fusionsturbos versuchen also diametral unterschiedliche Mentalitäten und Kulturen zu verschmelzen und nehmen in Kauf, dass das wirtschaftlich kleinere Baselbiet dann von der Stadt dominiert würde.

Im Wissen um diese Unterschiede und die Stärken der basisdemokratischen Mitwirkung von kleineren Gebilden hat unser Kanton die Gemeindeautonomie in den vergangenen Monaten gestärkt und genau die Grünen und Sozialdemokraten haben diesen Gegentrend zum Zentralismus begrüsst. Um so unverständlicher ist deren Engagement zur Fusion von Ungleichen.

pro Baselbiet: Wieso es uns braucht!

Eine Fusionsinitiative will das Erfolgsmodell unserer Gesellschaft untergraben:

  • Gutes wächst von unten und lässt sich nicht durch Zwang von oben verordnen. 
  • Grössere Gebilde sind weniger demokratisch - wir stehen zur Basisdemokratie und föderalistischen Strukturen 

 

Der Fusionsprozess ist undemokratisch:

  • Verfassung und Gesetz würden von gleich viel Städtern wie Baselbietern ausgearbeitet, obwohl die Bevölkerung der Landschaft wesentlich grösser ist. 
  • Die finanziellen und strukturellen Grundlagen sind in der Stadt völlig anders als im Baselbiet
  • Das Baselbiet hat ausgereifte Strukturen, der Stadt fehlt eine eigenständige Organisationsstruktur
  • Die Stadt hat mit den wenigen grossen Steuerzahlern ein Klumpenrisiko, im Baselbiet ist das Steueraufkommen ausgewogen.
  • Die Kultur wird im Baselbiet völlig anders gemacht und genossen als in der Stadt wo doch (nebst der Fasnacht) eher nur ein Kulturkonsum besteht.

„Entente cordiale“ ja – Fusion nein

Fusion, Annexion, Kantonsvergrösserung – darüber wird diskutiert, seit Unterschriften für eine Basler Wiedervereinigungs-Initiative gesammelt werden.

Mächtiger, stärker, schneller und billiger soll der unierte Kanton werden und allenthalben nur Vorteile bringen. Aber schon Johann Peter Hebel hat seinerzeit den Bewundern eines vergrösserten Gemeinwesens warnend zugerufen: „Wer’s glaubt, zahlt einen Taler!“ Alles was sich erweitert und fusioniert, wird von politischen Titanwurz-Fans beklatscht – der bittere Nachgeschmack kommt erst später…
Wenn die Baselstädter/innen merken, dass die Rationalisierungs-Versprechen der Fusionierer Schaumschlägerei sind und dass ein zusammengebastelter Kanton Basel nicht billiger, sondern teurer wird, dann dürften auch sie schnell ans eigene Steuerportemonnaie denken. Heute gilt doch nach den Milliardenpleiten der EU eher wieder der Slogan „Small is beautiful“.

Kleinere „basisdemokratische* Strukturen sind nämlich leichter regierbar, oekonomisch und oekologisch besser steuerbar. Die neuesten präsidialen Grossraum-Träume dürften da sogar im Stadtkanton – und besonders in den Basler Landgemeinden – auf Skepsis stossen. Es gibt Fusionsfreunde, die für eine Diskussions-Berechtigung offenbar eine Art publizistischen Güteschein verteilen möchten. Sie bemängeln Alter und Herkunft, Rang und Namen, Beruf und persönliche Situation ihrer Gegner und schiessen ungeniert nach bewährter und schlechter Publizistenmanier auf den Mann oder die Frau, sobald sie Opposition wittern. Halten wir fest, felsenfest: In unserer demokratischen Schweiz ist Jede und Jeder befugt, seine Meinung kundzutun. Dafür braucht es keine irgendwie gearteten „Zutrittskriterien*.

Wer ist denn eigentlich ein urechter posamentener Baselbieter ? Wer ein seit Generationen im Seidenband gefärbter Stadtbasler? Gibt es das überhaupt? Was zählt da mehr - ein Hülftenschanz- Mitstreiter-Urenkel auf der rotweissen oder ein Berufsbasler aus dem Hugenotten-„Daig“ auf der schwarzweissen Seite? Die genealogisch-demographischen Tüfteleien und das gegenseitige Aufrechnen von bodenständigen Liestaler-, beziehungsweise Dalbe-Deszendenzen ist doch müssig. Wir alle sind gemischt. Durcheinandergewirbelt. „Rassenreine“ Familiengeschichten gibt es keine. Schon Römer und Alemannenhaben da für regionale Vielfalt gesorgt. Aber eine Heimat haben wir auch ohne lupenreinen Stammbaum. Wo sie wohl liegt? In der Brieftasche, im Parteibuch oder im Aktienportefeuille gewiss nicht. Sicher aber In unseren Herzen, in unseren Seelen! Dort, wo wir Freunde und Verständnis finden, wo wir uns geborgen und geschätzt fühlen, dort ist unsere Heimat. Dazu gehört auch die geistig-moralische Verbundenheit – „Dem Land die Treue halten“, heisst es in einem Tiroler Lied.

Oder: „Drum hei mir au kai Land so lieb, wie euses Baselbiet!“ Und sicher auch „Z’Basel an mym Rhy¨…

Nur auf Rendite und Rationalisierung erpichte Erneuerer mögen das altmodisch finden; wir sehen darin ein ewig aktuelles, zeitloses, sicheres und gutes Gefühl. Genau so, wie Basler und Baslerinnen zu Recht auf ihre Geschichte und Traditionen stolz sind, genau so stark ist auch die Herzensbindung der Ländschäftler/innen zu ihrem eigenständigen Kanton, zu ihren Dörfern, ihrer Heimat. Gönnen wir uns doch gegenseitig unsere Eigenarten und bleiben wir bei der bewährten oberrheinischen Kollegialität. Die Stadt soll auf territoriale Ansprüche verzichten und nicht auf Kosten des Landvolks expandieren! Baselland ist ein in 180 Jahren natürlich gewachsener, trotz aller Probleme gesunder und souveräner Kanton, ein bewährter und treuer Stand unserer Schweiz. Genau wie das mit Recht berühmte, seit 512 Jahren mit der Genossenschaft verbundene Basel. Schon immer sind die zwischen diesen Staatswesen logischerweise vorhandenen Unstimmigkeiten in gutem Einvernehmen gelöst worden.
Das ist selbstverständlich. Die frühere Unterdrückung der Landbevölkerung ist längst gegenseitigem Respekt gewichen. Diese „bilateralen“ freundschaftlichen Beziehungen können und sollen zum Vorteil beider Kantone noch intensiviert werden. Das muss fair und offen geschehen. Der wirtschaftlich Kleinere darf nicht das Gefühl haben, dass man ihn nur als Zahlvati über den Tisch ziehen will. Unter Freunden ist Vertrauen eigentlich selbstverständlich. Basel ist, ich betone das gerne noch einmal, eine wunderschöne, traditionsstarke und fortschrittliche Stadt. 
Wo immer das Baselbiet an gemeinsamen Lasten mittragen 
kann, da ist logischerweise auch eine demokratische Mitbestimmung selbstverständlich. Wer mit zahlt, darf in allen Belangen auch voll und ganz mit reden. Das gilt heute besonders für das viel zu lange und zu kostenintensiv von profilierungssüchtigen Dramaturgen in die Publikumspleite geführte freudlos gewordene Basler Stadttheater und die immer stärker verpolitisierte Universität.

Davon abgesehen hat sich jedoch die auf gegenseitigem Respekt beruhende Zusammenarbeit zwischen den erfolgreichen Grenzkantonen seit Jahrzehnten bewährt. Beide „Kontrahenten* sind ja daran interessiert, die längst fällige Aufwertung zu zwei Vollkantonen zu realisieren. Kaum Sinn jedoch macht es, eine neue, eine unnötige Heirat anzustreben.Die beiden Brüder - oder Schwestern – sind zu verschieden in Mentalität und Struktur, in Wollen und Können, im Denken und Fühlen. Eine zweite Ehe wäre pure Zwängerei. Sie ist schon in den Sechzigerjahren gescheitert. Wer das nun ändern will, muss beweisen, dass etwas Neues besser sein wird als das Bisherige. Genau da stehen die Befürworter einer Kantonsfusion in der Pflicht, Kosten, Dauer, Risiken und Folgen einer Wiedervereinigung möglichst verbindlich zu deklarieren. 
Die Allbasler Unitarier konnten bis heute jedoch keine verlässlichen Zahlen und Termine vorlegen. Man stochert im Nebel. Zugegeben: Auch die Vermutungen von uns Sympathisanten zweier aufzuwertender Vollkantone bleiben Hypothesen, Einschätzungen, Hochrechnungen und Risiko-Kalkulationen. Es genügt jedoch keineswegs, ganz allgemein zu erklären, dass nach einem baslerischen Schulterschluss alles besser und billiger wird. Die Stimmbürger/innen beider Kantone dürfen erwarten, dass ihnen kein schwarzweisses X für ein fusioniertes U vorgegaukelt wird. 

Reden wir zuerst einmal von der Dauer des Prozederes: Da ja erklärtermassen eine gemeinsame Verwaltung schlanker und günstiger sein sollte, werden sich gewiss Hunderte von Beamten, denen durch die Fusionsguillotine die Wegrationalisierung ihrer Stellen droht, zur Wehr setzen. Jedes „Departement“ – hüben und drüben – wird in vielen gut honorierten Sitzungen ausdiskutieren müssen, wer über die Klinge springen muss und wer bleiben darf. 
Verfassungsrechtler und Personalvertreter, Parteien und Medien, „Alt“-Behörden und auf neue Pfründen spekulierende gesamtbaslerische Gremien werden sich – immer und immer wieder – zusammensetzen müssen, weil wohl niemand darauf erpicht ist, seinen Existenzstuhl freiwillig zu räumen. 

M
it ihrem eigenen Gewissen müssen auch zukünftige Regierungs- und Landräte bereinigen, ob sie bei ihrem Amtsantritt  in Liestal das verbindlich vorgeschriebene Treuegelöbnis zum Kanton Basellandschaft ehrlich leisten können oder ob sie diesen Schwur als lästige Lapalie betrachten. Es bleibt offen, ob Baselbieter Amtsträger mit ihrem Beitritt zur „Fusionsliga“ eventuell sogar eidbrüchig werden. 
Auch da stellt sich die heikle Ermessensfrage: Darf ich von einem Kanton, den ich à tout prix ablehne und auflösen will, überhaupt ein Salär oder eine Pension beziehen?
Kann ich als Behördenvertreter mitregieren, wenn ich mich zum Vornherein gegen ein selbständiges Baselbiet erkläre und so in die Hand beisse, die mich füttert? 

Wesentlich folgenschwerer ist das Problem, wie lange ein solcher Wiedervereinigungs-Prozess überhaupt  dauern mag. Fusionisten mögen behaupten, dass ein neuer, vereinigter Kanton in wenigen Jahren realisiert sein wird und dass auch die unerlässliche Zustimmung der Eidgenossenschaft eine reine Formsache wäre. Beweisen können sie diese Behauptung nicht.
Wir Baselbieter Heimatfreunde und kostenbewusste Baselstädter kalkulieren da realistischerweise mit zehn bis zwanzig Jahren. Diese Gegen-Vermutung mag zwar wahrscheinlicher sein, lässt sich jedoch ebensowenig belegen. 
Eines aber ist sicher: Während einer solchen interimistischen Zwischenphase von der sukzessiven Auflösung beider bisheriger Kantonsteile bis zur definitiven Neuformierung eines Gesamtbasel-Kantons wird es allenthalben Unsicherheiten, Konfusion und Justiz-Querelen geben. 
Im Mittelalter hörte man den weisen Spruch: „Das Interim, das Interim, das hat den Schalken hinter ihm.“ Zur „Vision Greater Basle“ muss ergo eine harte, eine glaubwürdige Kosten-Nutzen-Rechnung gestellt werden.

Stehen die Fusionisten mit ihrem guten Namen für ein plausibles Enddatum der ganzen Uebung ein?

Noch ungewisser und viel heikler als dieser mutmassliche Tag der finalen Wedding-Party ist das kardinale Finanzproblem. Darüber sollten wir schon definitiver Tacheles reden: Wieviel Millionen Franken kostet die angestrebte totale Neuordnung den Baslern und den Baselbietern? Es ist ja logisch, dass die Steuerzahler beider Kantone für alle Fusionsspesen paritätisch zur Kasse gebeten werden. Doch bleibt fraglich, ob die erzwungene Gesamtübung ohne markante Vereinigungs-Steuer-Erhöhungen absolviert  werden kann. Zur „Vision Greater Basle* muss ergo eine harte und umfassende, vor allem aber eine glaubwürdige Kosten/Nutzen-Rechnung gestellt werden.

Weitere offene Probleme: 
Was berechnen die Advokaten und Staatsrechtler für die komplexe Bastelarbeit einer neuen Verfassung und die Anpassungen, Modifikationen und Verschmelzungen zweier grundverschieden strukturierter      Kantonsverwaltungen? Wer nennt die Honorare der Verfassungsräte?
Und – bittesehr und bitte möglichst verbindlich: Wieviel „Amtsspesen“ wo und wie könnten schliesslich im unierten Gesamtkanton summa summarum post festum eingespart werden?
Oder rechnet man mit einem Nullsummenspiel – ausser Spesen nichts gewesen? Schliesslich ist ja Baselstadt weitaus beamtenfreundlicher als der trotz Gemeindeautonomien wesentlich „schlankere“ Landkanton… 

Wer garantiert - verbindlich - den Bürger/innen zu Stadt und Land, dass sie „nachher“ nicht noch stärker „gemolken“ werden?

Was passiert, wenn das Volksbegehren der Unitarier nur im Stadtkanton, ncht aber auf dem Lande Zustimmung findet, wenn einzelne Bezirke die neue Verfassung ablehnen? 

Viellleicht ist Ihnen aufgefallen, dass in diesem Bericht keine einzige Person angegriffen, kein Lebenslauf durchleuchtet, niemanden eine Qualifikation zur Meinungsbildung abgesprochen und keine vermeintlichen oder tatsächlichen menschlichen Mängel unserer Gegner aufgezählt werden. Gut so. Man kann doch in besten Treuen für oder gegen eine Wiedervereinigung sein, ohne sich wechselseitig zu beleidigen. Die Aera der Schlammschlachten und der persönlichen Miesmacherei sollte endgültig vorbei sein. 
Schliesslich geht es um die Kantonsfusion und nicht um Skandalgeschichten.
Wir alle werden uns ja entweder als einverleibte Ex-Baselbieter oder bei gleichbleibender beidseitiger Souveränität beim Status Quo wieder brüderlich/schwesterlich zusammenfinden müssen, dürfen, sollen und können. Das ist Demokratie. 

Ueber die Probleme einer Zwangsehe BS/BL wollen wir trotzdem nicht hinwegsehen:
Die Fusionierer schwärmen vom Aufbruch des (T)Raumschiffs „Enterprise Basilea“ in die unendlichen Weiten einer rosaroten Gross-Stadt-Prosperität, von fernen Galaxien eines neuen „Metro“-Wohlstandes, den nie ein Mensch zuvor gesehen hat. 

Wir befürchten, dass aus Visionen Illusionen werden. 
Was beim schlitzohrigen Mister Spock, bei „Pille“ und Konsorten schwuppdiwupp zur virtuellen Science-Fiction mutiert, könnte beim praktischen Wiedervereinigen schnell zu einer Bruchlandung in den knallroten Zahlen führen. 
Nüchterne Basler und Baselbieter befürchten ein endloses Gezänk um die Egalisierung, die Gleichmacherei, unserer überhaupt nicht kompatibeln Kantons-Verfassungen, um Entschädigungen für die zu entlassenden „überzähligen“ Staatsbeamten, ein Tauziehen um die Liquidation von „doppelten“ Verwaltungen, Schulsystemen, Steuerreglementen, Gerichtsbehörden und Verkehrsbetrieben.

Vielleicht vertröstet man das Volk  - ähnlich wie beim Grossberliner Flughafen – von einem Jahr aufs andere: 
H
abt Geduld, liebe Leute, es wird schon werden, wir (ver)brauchen nur noch ein paar Millionen mehr – im Zweitausendweissnichtwieviel ist es sicher soweit! Doch dann kann man wohl niemand mehr von den heute  eine „schlanke“ Entsorgung des selbständigen Baselbiets versprechenden Initianten für Zeit- und Budget-Ueberschreitungen verantwortlich machen. Die Fusionierer der ersten Stunde werden längst das Zeitliche gesegnet haben – die verschwendeten Steuergelder jedoch sind futsch.

Verzichten wir auf die unnötige Uebung!  Freuen wir uns gemeinsam über eine neue regionale Zusammenarbeit auf absolut gleichberechtigter Basis:
So geht es besser!

Hans A. Jenni
Hans A. Jenny 
G
ründungs-Präsident des Komitees Selbständiges Baselbiet